Warum werde ich zum Schuldigen, kaum dass ich etwas anspreche?
Wenn du fast jedes Mal, wenn du etwas Berechtigtes ansprichst, am Ende selbst dich rechtfertigst, hat das oft einen Namen: DARVO, kurz für Deny, Attack, Reverse Victim and Offender. Der Begriff stammt von der Psychologin Jennifer Freyd. Er beschreibt drei aufeinanderfolgende Schritte: Zuerst wird abgestritten, was passiert ist. Dann wirst du angegriffen, meist über deinen Ton oder deinen Charakter. Und am Ende dreht sich die Rolle um, plötzlich ist die konfrontierte Person das eigentliche Opfer, und du der Angreifer. Diese Abfolge ist es, die DARVO von einer einzelnen Ausrede unterscheidet.
Das hier ist keine Ferndiagnose der anderen Person. Es ist ein Weg, drei Schritte zu erkennen, die einzeln harmlos wirken, in Folge aber fast immer dasselbe Ziel haben: dass du aufhörst, das eigentliche Thema anzusprechen.
Daran erkennst du es
So klingt es
So meldet Hearium den Befund
Opferrolle
Gegenüber Hab ich nie gesagt. Du drehst dir das im Nachhinein zurecht.
Die Opferrolle dreht den Spieß um: Wer zur Rede gestellt wird, macht sich zum eigentlich Leidtragenden, und du entschuldigst dich plötzlich fürs Ansprechen.
Die Maschen in diesem Gespräch
Häufige Fragen
Ist DARVO dasselbe wie sich normal zu verteidigen?
Nein. Sich verteidigen heißt, bei der Sache zu bleiben: „Das habe ich anders gemeint, lass es uns klären.“ DARVO verlässt die Sache komplett und tauscht die Rollen, aus Kritik an einer Handlung wird ein Angriff auf deinen Charakter, und aus dir wird der Aggressor. Achte auf diesen Rollentausch, nicht auf einzelne verteidigende Sätze.
Warum funktioniert DARVO so zuverlässig?
Weil es dein Gewissen anspricht statt der Fakten. Sobald du dich fragst, ob du vielleicht doch übertrieben hast, hast du die eigentliche Sache bereits verlassen. Studien zu diesem Muster zeigen, dass genau das der Punkt ist: Wer konfrontiert wird und dieses Muster nutzt, gewinnt nicht das Argument, sondern lenkt es weg.